Arne & Carlos: „Stricken? Immer und überall!“

Spätestens seit Ihren Bestsellern „Julekuler“ und „Strikkedukker“ kann die Strickwelt nicht mehr ohne die norwegischen Autoren Arne&Carlos. Ob auf der Creativa in Dortmund oder der Frankfurter Buchmesse, mittlerweile flitzen die beiden Designer auch in Deutschland über alle namhaften Buch- und Kreativveranstaltungen. Warum man diesen beiden Talenten unbedingt begegnen sollte.

Wer dieses Gespann zum ersten Mal miteinander agieren sieht, dem bleibt kein Zweifel – hier trifft schieres Talent auf außergewöhnliche Detailliebe und mitreißender Frohsinn auf augenscheinliche Fachkenntnisse. Das skandinavische Designer-Duo Carlos Zachrison und Arne Nerjordet, besser bekannt als Arne&Carlos, ist spätestens seit Ihrem Erstlingswerk Julekuler, zu Deutsch Weihnachtskugeln, kein Geheimtipp in Sachen Mode- und Strickwelt mehr. 2002 ihr eigenes Modelabel gegründet, entwarf das eingespielte Team bereits Kleider für die norwegische Kronprinzessin Mette Marit und entzückt mit schlichtem aber verspieltem Strickstil. Bezaubernd. Ganz ohne pomphafte Ausstatte.

Strickende Männer? Na, endlich!

Das denkt sicherlich so manch ein weiblicher Strickfreund und behält mehr Recht als geahnt. Nach ihrem Heimatland Norwegen eroberte nämlich auch das zweite Buch Strikkedukker-Gestrickte Puppen Deutschland und England im Sturm. Nahezu unmerklich werden Arne&Carlos mehr und mehr zu Vorreitern für eine Strick-Generation, in denen – ganz ungeniert – auch ruhig mal die Väter ihren Kindern einen Pullover stricken können. Bedanken, wie kann es anders sein, darf man sich dafür dennoch bei den weiblichen Vorbildern der Designer. „Bei uns in der Familie wurde immer viel gestrickt. Meine Mutter, meine Großmutter und auch die Urgroßmutter strickten ständig – und so strickte eben bald auch ich“, so Arne.

Gelebt und gearbeitet wird zurückgezogen in einem alten Bahnhof auf dem Land in Etnedal in Valdres, wo der Winter immer ein wenig länger ist und besonders Weihnachten eine große Rolle spielt, wie Arne&Carlos finden. Ortsgebunden ist die Liebe zur Strickkunst bei weitem nicht. „Wir stricken eigentlich immer und überall“, sind sich beide einig. Vor allem auf Reisen, wie auf ihrer Roadshow durch Deutschland zu Beginn 2012, wird an den unterschiedlichsten Orten gestrickt.

Raum zum Spielen

Ständig an Neuem tüfteln, an Konzepten feilen und der Kreativität freien Lauf lassen. Allem voran die kindliche Kreativität und deren Leichtigkeit. „Hiermit geht in mehrfacher Hinsicht ein Traum für uns in Erfüllung“, schreiben Arne&Carlos im Vorwort ihres Titels Strikkedukker. Endlich das „Kind rauslassen“. Endlich ein komplettes Buch zum „durchspielen“, in einem „Haus voller Überraschungen“ abgelegen in der Mitte Norwegens. Neben Inspirationsquellen wie der Designerin Madeleine Vionnet oder Miniaturmöbel-Ausstellungen, waren Barbiepuppen bereits Jahre vor Strikkedukker ein Teil des Entwurfprozesses.

Mit Julekuler ebneten sie neue Wege für die Dekoration der Wintermonate, mit den Strikkedukkern erreichen Arne&Carlos Leser jeder Altergruppe und legen ihre Idee sogar denen ans Herz, welche die Handarbeit Stricken nicht einmal beherrschen. Das bewies die solide Resonanz des Wettbewerbs „Strick (D)einen Doppelgänger“, der mit über 400 Einsendungen auch den frechverlag zum Staunen brachte. Oma und Opa, Mutter und Vater, Kind und Hund – alle sieht man sie doppelt. Im Strikkedukker-Fieber. Denn ob Laie oder Strickprofi, eines lebt das Duo mit allen Sinnen und ganz ohne Mühe – unverblümte Strickpassion. Und die verbindet Menschen, keine Frage.

Text: Sabine Hausmann